Beiträge 2015

Vorstands- und Beiratssitzungen 2015, jeweils donnerstags um 17.00 Uhr,
meist im Leeren Beutel
Januar               29.01.2015
Februar             26.02.2015
März                   26.03.2015
April                   23.04.2015
Mai                      21.05.2015
Juni                    18.06.2015
Juli                    02.07.2015  18.00 Uhr: Jahresversammlung der Mitglieder
August              Sommerpause
September      24.09.2015
Oktober            22.10.2015
November      26.11.2015 (Adventstreffen!)

Dezember        Winterpause 

 

Veranstaltung 2015 mit unserer Beteiligung::

20.-22. November 2015 im Thon-Dittmer-Palais:

Regensburger Herbstsymposium für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege:
Spolien – steinerne Zitate der Geschichte
Von Römersteinen, Judensteinen und falschen Gräbern
Programm:
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Jahres- und Tätigkeitsbericht 2014-15 des Vorstandes
zur Mitgliederversammlung am 02. Juli 2015

Liebe Altstadtfreunde,

auch das vergangene Geschäftsjahr der Altstadtfreunde war durch den Wechsel der Stadtpolitik mitbestimmt, der sich in mancherlei, leider aber nicht in jeder Hinsicht positiv bemerkbar machte. Positiv ist zu bemerken, dass unsere Anregungen und Beiträge nicht mehr einfach unter den Tisch fallen, sondern zumindest zur Kenntnis genommen und diskutiert werden; auch direkte Kontakt mit dem OB sind möglich geworden. Wir versuchen noch, bei Entscheidungen, die ein unabwendbarer Ausfluss der Ära Schaidinger sind, OB Wolbergs nicht zu kritisieren, dies hat jedoch Grenzen, denn er war damals immerhin Koalitionspartner und hat insofern auch Entscheidungen mitgetragen.

Bürgerbeteiligung und Runder Tisch Altstadt

Hat sich die viel beschworene Bürgerbeteiligung gebessert? Wir erinnern uns an zahlreiche unter diesem Titel stattfindende Märchenstunden, in denen uns eine Mitsprachemöglichkeit vorgegaukelt wurde, während Entscheidungen bereits gefallen, Verträge längst unterschrieben waren, während wir ungezählte Stunden unserer Lebenszeit mit sinnlosen Diskussionen, Papieren und Gesprächen vergeudeten. Das führte schließlich zu einer wachsenden Ablehnung solcher Angebote seitens der interessierten Bürgerschaft, die schließlich die Meinung gewann, von der Verwaltungsspitze eh nur angelogen zu werden.

In welchem Maße die Kultur der Bürgerbeteiligung verkam, ist OB Wolbergs durchaus bewusst, denn bei der Begrüßung zum Runden Tisch Altstadt brachte er deutlich zum Ausdruck, dass künftighin Bürgerbeteiligung, Runde Tische und Planungsdialoge wieder ihren Namen verdienen sollten.

Beteiligte der Arbeitsgruppe Bürger zum Wettbewerb ZOB, die an den Gesprächen zum Planungswettbewerb von Bahnhof und Zentralem Omnibusbahnhof teilnahmen, die vom Planungs- und Baureferat veranstaltet wurden, gewannen jedoch genau den gegenteiligen Eindruck. Da die Altstadtfreunde daran nicht beteiligt waren, soll hier nur Aussage und Eindruck der Teilnehmer wiedergegeben werden.

Als einziger Vertreter einer Bürgerinitiative wurde der 1. Vorsitzende als Teilnehmer am Runden Tisch Altstadt auserkoren, der von OB Wolbergs initiiert wurde und als feste Einrichtung viermal pro Jahr tagen soll. Im Zentrum der bislang fünf Sitzungen stand und steht die Verbesserung der Situation des Einzelhandels in der Altstadt, was völlig legitim ist. Erfreulich dabei: Der Einzelhandel erkennt immer deutlicher den Wert einer intakten und nicht disneyhaft aufgemotzten historischen Bausubstanz (wir erinnern uns daran, dass die Aktion mit dem ‚Einkaufen in gotischen Gewölben‘ durch einen Vortrag über „Regensburgs gotisches Erdgeschoss“ beim Regensburger Herbstsymposion für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege 2007 ausgelöst wurde). Ob die Altstadtfreunde sich mit der Forderung, künftig nicht mehr jeder kurzfristigen Geschmacksverirrung irgendeines Konzerns nachzugeben und wie im Fall von Zara im Rothdauscher-Haus eine Jugendstiltreppe und im Falle von Hugendubel bedeutende Bausubstanz dreizugeben, durchsetzen konnten, wird sich zeigen.

Positiv ist zu bemerken, dass bei der Diskussion um eine Anpassung der Altstadtschutzsatzung – ursprünglich ein Kind der Altstadtfreunde – nicht nur vom Einzelhandel deutlich gefordert wurde, von den Prinzipien der Satzung nicht abzurücken. Freilich ist die Frage nach einer pragmatischen Handhabung gewisser Vorschriften zu diskutieren, aber es hat sich doch gezeigt, wie segensvoll die Altstadtschutzsatzung als auch die Sondernutzungssatzung und die strengen Auflagen an die Werbung gewirkt haben. Hierbei ist von unserer Seite der sehr positive Kontakt zum Bauordnungsamt in Person der stellvertretenden Leiterin Tanja Flemmig anzumerken.

Ein Ergebnis des Runden Tischs Altstadt – über die internen Diskussionen haben wir Stillschweigen vereinbart – sind die Straßenfeste, die in diesem Jahr erstmals stattfinden. Sie gehen auf eine Anregung von OB Wolbergs zurück, der als einer der wenigen den eigentlichen Gedanken „unseres“ Bürgerfests verstanden hat, nämlich durch dezentrale kleinere Aktionen den Regensburgern unbekannte Teile der Stadt näher zu bringen, ohne sie überzuorganisieren und dabei noch Freiraum für Individualität zu lassen. Das alten Miteinander von Bewohnern und Gästen, Kultur und Handel, Kunst- und Gastronomie funktioniert offenbar noch und wieder recht gut, wie man bei einem Besuch erfreut feststellen kann.

Als eine wesentliches Thema des Runden Tisches Altstadt habe ich das überbordende Problem des Verkehrs in der Altstadt zur Sprache gebracht, dem man sich dringend stellen muss. Wer nicht nur einmal als Fußgänger oder Radler in der Gesandtenstraße im Verkehrsstau zwischen Bismarckplatz und Neupfarrplatz stecken geblieben ist, wird künftig diese Bereiche meiden. Nicht nur die Bewohner, sondern auch der Handel im Bereich Gesandtenstraße – Neupfarrplatz – Ludwigstraße schließen sich zunehmend dieser Forderung an. Wir sehen auch OB Wolbergs auf unserer Seite, der sich offen gegen den motorisierten Individualverkehr (abgekürzt MIV, ausgesprochen MIEF) ausspricht. Die angekündigten kurz- und mittelfristigen Maßnahmen (intensive Verkehrskontrollen, Einbau von versenkbaren Pollern und Vollzug bestehender Verordnungen u.a.) lassen bei uns wieder Hoffnungen aufkommen.

Respektabel: Die Entscheidung der Stadt, das Deggingerhaus anzumieten und das Erdgeschoss der Kulturszene zu Verfügung zu stellen. Wie erinnerlich, haben die Altstadtfreunde als seinerzeitige Gegner der Hugendubel-Sanierung und dafür angefeindet, wie immer Recht behalten.

Welterbe-Managementplan

Der 1. Vorsitzende ist Mitglied der Arbeitsgruppe Welterbe-Managementplan, die in den letzten Jahren vierzehn Mal getagt hat; das erscheint auf den ersten Blick nicht viel, aber ist extrem arbeitsintensiv, gerade in der Vor- und Nachbereitung für die Verwaltung, die sich hier wirklich große Mühe gibt. Dabei zeigt sich durchaus ein Wandel in der Gesprächskultur nach der Ende der CSU-Ära; man redet offener, lockerer und toleranter miteinander. In der letzten Sitzung brachte der Vorsitzende die dringende Notwendigkeit einer „Stadtmorphologie“ ins Gespräch, d. h. eine genauen städtebaulichen Analyse der Altstadt mit Stadtamhof, sowohl der baulichen Gestalt der Plätze, Straßen, Gassen und Bauwerke als auch der städtebaulichen Entwicklung. Erfreulich ist, dass dieser Vorschlag in die Agenda aufgenommen wurde.

Alles paletti oder was?

Nach so viel Positivem – herrscht jetzt auf einmal Freude und Sonnenschein? Mitnichten, denn bekanntlich ist dort, wo viel Licht ist auch viel Schatten.

So müssen wir leider wieder auf Fehlentwicklungen hinweisen, wie auf das völlig missglückte Karmeliten-Projekt, eine typische Investorenmaßnahme, realisiert schließlich von Leuten, denen jedes Gefühl für städtebauliches Maß, Proportion und Verhältnis fehlt; wie auf das Projekt am St.-Peters-Tor mit der vollgepfropften, überdimensionierten Zwergenhaus-Architektur; wie auf die Entscheidungen zum Erweiterungsbau des Hotel am Jakobstor im Stahlzwingerweg, wo nicht nur die historische Stadtbefestigung in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch ganz offensichtlich seitens des Bauherrn wie getrickst wurde (das hat man ja in Regensburg in den vergangenen 20 Jahren zur Perfektion gelernt); wie auf die noch immer nicht erfolgte Ausschreibung der Stelle der Stelle eines Stadtarchivars; wie auf den ausbau des Donauufers unterhalb der Kgl. Villa zur befestigten Verkehrsstraße mit einem erschreckenden Verkehrsaufkommen; wie auf die Planungen zum ZOB am Hauptbahnhof, wozu wir ja in unserem letzten Mitgliederbrief Stellung bezogen.

Im Bezug auf das RKK am Ernst-Reuter-Platz ist die Stadt immerhin den Empfehlungen gefolgt, auf ein eigenes Hotel zu verzichten und auf bestehende Infrastrukturen zurückzugreifen und den Nachfolgebau des Hotels National neben dem Maximilianhotel als Tagungshotel zu kaufen und um- oder auszubauen.

Regensburg, 02.07.2015

Prof. Dr. Peter Morsbach
Zum Theresienhain 3 – 93128 Regenstauf – peter_morsbach@hotmail.com

 

Überlegungen zur Neugestaltung des nördlichen Vorbereiches des Regensburger Hauptbahnhofs und zur Neuordnung der Verkehrsströme
(27. April 2015)

Im 19. Jahrhundert wurden Bahnhöfe zu einer der herausragenden Aufgaben des Städtebaus. Bahnhöfe repräsentierten in der Vorstellung einer technikbegeisterten Zeit ihre Städte in ähnlicher Weise wie in früheren Jahrhunderten Kathedralen, Burgen und Schlösser. Daher legte man in solchen Städten, in denen die Bahnhöfe direkt an der Innenstadt entstanden, größten Wert auf ein dieser Bedeutung entsprechendes, repräsentatives bauliches Umfeld.

Zur Inszenierung der Stadt und des Bahnhofes bediente man sich verschiedener Instrumentarien. Die Bahnhöfe waren stets symmetrische, bisweilen schlossähnliche Anlagen mit dem zentralem Empfangsgebäude, Seitenflügeln und Nebengebäuden, die die Gleisanlagen als solche verdeckten.

Das Vorfeld der Empfangsgebäude wurde unterschiedlich, jedoch stets mit Vorbedacht gestaltet.

So wurden repräsentative Plätze mit vornehmen Fassaden angelegt. Es kamen auch Blickachsen und Blickbeziehungen zur Geltung, wie in der Residenzstadt Coburg mit der Blickachse zur Veste und der daraus resultierenden Bebauung, die sich an diesen Blickachsen orientierte.

Auch der Regensburger Hauptbahnhof steht aufgrund einer solchen Achsenbeziehung an seinem Ort, nämlich der zur Maximilianstraße als früherer Prachtstraße der Stadt; diese Achsenbeziehung hielt man für so wichtig, dass dafür sogar das Kepler-Denkmal nach Westen versetzt wurde.

Oftmals prägten diese Blick- und Achsenbeziehungen auch repräsentative Hotels, wofür das Maximilianhotel als Relikt eines einstmals vornehmen Stadteingangs ein sehr bedeutendes Beispiel darstellt. Auch Grünanlagen und Parks mit Alleen dienten dem würdigen Empfang der Ankommenden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese grundlegenden Prinzipien des Städtebaus durch die Anforderungen des Verkehrs allerorten weitgehend getilgt und vergessen.

Der nördliche Vorbereich des Regensburger Hauptbahnhofs bis in die Maxstraße hinein hat große städtebauliche Potentiale, jedoch keinerlei städtebauliche Qualität.

Die Potentiale liegen in den angrenzenden Grünanlagen mit der Carl-Anselm-Allee und dem Schlosspark, dem Bereich des ehem. Petersfriedhofes mit dem Peterskirchlein und in der Blickbeziehung in die Stadt mit der Maxstraße und dem Maximilianhotel.

Tatsächlich aber ist durch die Hochhausbauten der 1950er bis 1970er Jahre dieses Umfeld stark gestört. Hinzu kommt die große Belastung durch chaotisch wirkende Verkehrsströme. Der Vorplatz präsentiert sich als amorphe, schlecht möblierte Verkehrsrestfläche ohne jegliche Aufenthaltsqualität. Die Aufmerksamkeit der Ankommenden wird nicht durch ein ansprechend gestaltetes Umfeld, sondern durch Unübersichtlichkeit, nicht ungefährlichen Verkehr, Lärm, Hektik und Fußgängerampeln in Anspruch genommen, die den ersten Eindruck von der Welterbestadt in denkbar schlechtem Licht erscheinen lassen.

Wir sind daher der festen Überzeugung, dass Überlegungen zu einer Umgestaltung dieser Vorbereichssituation keinesfalls von verkehrstechnischen Prioritäten dominiert werden dürfen, sondern in erster Linie von städtebaulichen Überlegungen geleitet werden müssen, deren Ziel eine grundlegende Verbesserung ist. Dies ist umso dringlicher, als in absehbarer Zeit mit dem am Ernst-Reuter-Platz entstehenden Regensburger Kongress- und Kulturzentrum (RKK) eine völlig neue städtebauliche Situation entstehen wird.

Wir plädieren daher für eine radikale Neuordnung der Platzräume und Verkehrsströme im nördlichen Bahnhofsbereich, für eine grundlegende städtebauliche Aufwertung im oben erwähnten Sinn einer klassischen Empfangs- und Eingangssituation in die Stadt. Dies umso mehr, als mit dem RKK auch die umliegenden Hotels eine gesteigerte Bedeutung zugewiesen bekommen. Der Mensch und sein Wohlbefinden müssen im Zentrum der Überlegungen stehen, nicht die Bedürfnisse des Verkehrs.

Die Altstadtfreunde fordern für den gesamten nördlichen Bahnhofsbereich zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz eine grundlegende städtebauliche Aufwertung und sehen sich hierin in Übereinstimmung mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs.

Wir begrüßen die Verlegung des ZOB vom jetzigen Standort. Bedauerlicherweise laufen die noch in die CSU-Legislaturperiode zurückreichenden Planungen mit allein 16 Bushaltstellen vor dem Bahnhof auf eine weitere Verkehrsverdichtung hinaus.

Das vorgesehene zweite parallele Brückenbauwerk westlich der Galgenbergbrücke – wohl ein wagemutiges, wenn nicht fragwürdiges Novum in der Geschichte des Städtebaus –, das zu einem 15 Meter breiten Bauwerk führen wird, bringt keine Verkehrsentlastung, sondern zusätzliche Probleme. Eine städtebauliche Verbesserung können wir bei diesen Planungen nicht erkennen.

 Stattdessen empfehlen die Altstadtfreunde nachdrücklich, das Projekt grundlegend zu überdenken und das Planungs- und Wettbewerbsgebiet auf das bereits gut erschlossene Brachgelände westlich der Arkaden zu erweitern, das von der Bahn der Stadt Regensburg vor dem Bau der Arkaden bereits einmal zur Nutzung vorgeschlagen worden ist.

Die Notwendigkeit einer verträglichen und befriedigenden Anbindung des Bahnhofs an die Altstadt im oben erwähnten Sinne eines Entrées wird durch die Planung von sechs weiteren Bushaltestellen an der südlichen Maximilianstraße (zwischen Bahnhof und Albertstraße) nicht erkannt und verhindert. Wir fordern anstelle eines verkehrstechnischen Funktionswettbewerbs einen städtebaulichen Gestaltungswettbewerb.

Regensburg, 27.04.2015

Prof. Dr. Peter Morsbach,
Erster Vorsitzender Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg e. V.

i. V. für
Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger e. V.
Forum Regensburg e.V.
Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg e.V.
Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl e.V.