Gespräche mit Bernd Bosse 2010

Die persönliche Verbindung des Vereins mit Bernd Bosse hatte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte mehr und mehr reduziert, bis wir Ende 2010 zur Vorbereitung auf unsere 45-Jahr-Feier mit ihm zwei lange Gespräche über die Anfangszeit der Altstadtfreunde führten. Bei dem Fest am 5. Mai 2011 entbot er – erstmals seit Jahrzehnten – in einem schönen kulturhistorischen Vortrag seinen Altstadtfreunden ein begeisterndes Grußwort, wenngleich ihm dabei sein immer schwächer werdendes Augenlicht zu schaffen machte. In den beiden letzten Jahren erkannte er uns nur noch an unseren Stimmen.

 

Aus den ersten Treffen erwuchs eine freundschaftliche Beziehung nicht nur zu ihm selbst, sondern auch zu seiner Frau Marianne (18.02.1925-11.08.2016), die sich – meist von schlimmen Rückenschmerzen geplagt, aber stets heiter – mit feinem Humor und immer gastfreundlich im Hintergrund hielt, um im Laufe des Abends plötzlich köstliche Dinge auf den Tisch zu zaubern. Wein stand ohnehin immer bereit. Sie starb vier Monate vor ihrem Bernd.

 

Wie konnte er erzählen! Nicht nur, dass er immer wieder seine ‚preußische‘ Herkunft und die daraus resultierenden Tugenden hervorhob – wie ereiferte er sich über die Nähe des väterlichen Verlages zu den Machthabern im Dritten Reich! Und wie vieles erfuhren wir über die Musikgeschichte der Stadt…

 

Er war nicht nur Musikverleger, sondern sah sich auch als Hausverleger der Walhalla. Im Bernhard-Bosse-Verlag erschien in vielen Auflagen der offizielle Führer. Bosse war es, der 1979 das grundlegende und wegweisende Buch von Jörg Traeger, Der Weg nach Walhalla. Denkmallandschaft und Bildungsreise im 19. Jahrhundert (2. Auflage 1991) und 1980 den von Jörg Traeger herausgegebenen Sammelband Die Walhalla. Idee – Architektur – Landschaft herausbrachte.

Fotos: Juan Martin Koch

Mitreißend waren seine Schilderungen der Premierenfeiern des Stadttheaters und der mehrtägigen Faschingsfeiern hoch oben in der großen einstigen Dienstwohnung der Regensburger Oberbürgermeister in der Von-der-Tann-Straße 38. Hier führten die Bosses einen glänzenden gesellschaftlichen Mittelpunkt der Regensburger Nachkriegszeit und hier, in der still gewordenen, doch noch immer ‚großbürgerlichen‘ Wohnung, wurde für uns eine Zeit lebendig, an die wir keine oder nur schemenhafte Erinnerungen haben.

 

Lassen Sie sich vom Erzähler Bernd Bosse mitnehmen in die 1960er Jahre – so wird Regensburger Geschichte lebendig!

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