Über uns

Ziele

Wächter zu sein für die bauliche Substanz der Altstadt Regensburgs, die Bürger anregen und aufklären, wenn Hand an die Schönheit, die Einmaligkeit ihrer Stadt gelegt wird – dieses in der Präambel der Satzung verankerte Prinzip verfolgt die Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg seit 50 Jahren. Die Frage stellt sich angesichts der in der Vergangenheit immer wieder drohenden Zerstörungen, ob Regensburg jemals Welterbestätte der UNESCO geworden wäre, ohne diese Fortschrittsverhinderer, Neinsager, Querulanten, Quertreiber und wie die Altstadtfreunde und andere engagierte Bürger sonst noch gescholten wurden, und das nicht selten zum Nachteil der eigenen Karriere.

Es geht nicht nur darum, Schaden von der wertvollen Bausubstanz der Stadt abzuwenden – Abbrüche von Bauwerken konnten ebenso verhindert werden wie Verkehrsschneisen durch Wohnquartiere – sondern auch seit Anbeginn um Bauleitplanung wie eine Altstadtschutzsatzung, die Einforderung von Bebauungsplänen, Flächennutzungsplänen oder Verkehrskonzepten. Die „Erfindung“ der Bürgerfestes 1973 – rechtzeitig zum Europäischen Jahr des Denkmalschutzes – setzte nicht nur ein gesellschaftspolitisches Umdenken der Stadtgesellschaft im Hinblick auf den Umgang mit der Stadt in Gang, sondern bildete auch eine Initialzündung für eine umfassende Verkehrsberuhigung. Feste, Führungen, Vorträge, die Mitveranstaltung des alljährlichen Regensburger Herbstsymposions für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege erreichen eine interessierte Öffentlichkeit.

Die Probleme sind heute oftmals dieselben wie vor einem halben Jahrhundert, wenngleich die Existenz der Altstadt Regensburgs nicht mehr auf dem Spiel steht:  ein zunehmend liebloser Umgang mit der Altstadt, das Ringen um die Verkehrsberuhigung aufgrund des Wiederumsichgreifens des motorisierten Individualverkehrs, qualitative Mängel und – aus der Sicht der Altstadtfreunde – drohende eklatante Fehlentscheidungen im  Städtebau bis hin zu einer verbesserten Bürgerbeteiligung an wesentlichen Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen im Sinne des Agieren-Könnens im Vorfeld und nicht mehr nur des Reagieren-Müssens angesichts vollzogener Fakten. Hierbei steht nicht die Konfrontation mit der Stadtspitze und der Verwaltung im Fokus, sondern die Sachdiskussion, der Dialog. Ein enger Schulterschluss mit der staatlichen und kommunalen Denkmalpflege ist seit Anbeginn essentiell. Eine Stärke der Altstadtfreunde lag und liegt darin, den allein vom Wähler autorisierten Entscheidungsträgern, den Stadträtinnen und Stadträten, immer beratend zu Seite gestanden zu haben.

Gegründet wurde die Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg e.V. schon 1964, aber erst zwei Jahre später ins Vereinsregister eingetragen. Die Altstadtfreunde entstanden in einer Phase der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte, in der die Bürger begannen, sich zunehmend außerparlamentarisch zu betätigen und zu opponieren. Obwohl der Begriff Bürgerinitiative damals noch kaum bekannt war, waren die Altstadtfreunde genau das: eine Vereinigung engagierter Bürgerinnen und Bürger, die nicht tatenlos zusehen wollten, wie durch Verkehrsplanungen und blindes Fortschrittsdenken verheerende Zerstörungen in der ansonsten vom Zweiten Weltkrieg nahezu verschonten Regensburger Altstadt Raum gegriffen hätten.

Parteipolitisch und weltanschaulich neutral, durchaus aber politisch im Sinne der „polis“, der Stadtgesellschaft, sachorientiert und fachlich fundiert, beteiligen sich die Altstadtfreunde seit einem halben Jahrhundert an zentralen Diskussionen, die nicht nur die Bausubstanz und ihre möglichst ungeschmälerte Erhaltung, sondern auch die Lebensqualität in der Regensburger Altstadt berühren. Es gelang den Altstadtfreunden durch fortdauernde öffentliche Wirksamkeit, die Begeisterung der Bürgerschaft für „ihre“ Stadt zu wecken und dadurch ein breites bürgerschaftliches Engagement auf den Weg zu bringen. Das Ziel, die Erhaltung der Regensburger Altstadt zu einem „Prüfstein für das baukulturelle Gewissen Deutschlands zu machen“, muss in jeder Generation immer wieder neu erreicht werden.